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Akt
Die gute Nachricht für alle AktfotografInnen:
Der Frauenanteil hinter der Kamera hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen.
Trotzdem werden selten erstklassige Seminare angeboten, wo einfach alles stimmt:
Modell, Ambiente und Teilnehmer.
Damit sie von Anfang an Erfolgserlebnisse haben, sind jedoch einige Voraussetzungen nötig:
- Achten sie auf eine angenehme Temperatur, sonst friert ihr Modell!
- 30 bis 60 Minuten vor der Session sollte das Aktmodell bereits nackt sein und stehen, um Abzeichnungen von Gewand und Gummibändern verschwinden zu lassen
- Ein weiches, lockeres, langes Kleid, um sich zwischendurch kurz aufzuwärmen
(Profis haben ihr eigenes Kleid mit)
- Regelmäßiger Positionswechsel, sonst sind Druckstellen unvermeidlich und sie müssen pausieren
(Modells werden gewöhnlich nach Stunden bezahlt)
- Regelmäßige Pausen machen sich bezahlt
- Ein Schminktisch und eine eigene Toilette sollten vorhanden sein
- Und zum Schluss:
Greifen sie ihr Modell niemals an, mündliche Anweisungen genügen völlig !
Wenn sie diese Ratschläge beherzigen, haben sie schon die halbe Miete.
Jetzt liegt es an ihnen...
Die ersten Aktaufnahmen eines Amateurs sehen meistens traurig aus.
Oft hilft hier der alte Rat weiter:
Gut kopiert ist besser, als schlecht erfunden!
Nehmen sie sich die Zeit und analysieren sie erstklassige Aktaufnahmen aus Büchern und aus dem Internet:
Pose, Lichteinsatz, Kameraführung, Requisiten.
Dann versuchen sie das Bild mit einem eigenen Modell nachzustellen, ändern allmählich einzelne Parameter und entwickeln so einen eigenen Stil.
Zur Umsetzung benötigen sie folgende Ausrüstung:
- Ein kurzes Tele mit hoher Anfangsöffnung
Dadurch erzeugen sie eine angenehme Perspektive und die für Aktaufnahmen notwendige Distanz.
Ein Makroobjektiv zeichnet viel zu hart.
- Große, weiße Räume
Diese erleichtern ihnen eine professionelle Lichtführung.
- Mindestens drei Lichtquellen (Tageslicht oder Blitz):
Hauptlicht, Hintergrundlicht und Effektlicht
- Aufheller, Abdunkler und Diffusoren
All diese Hilfsmittel müssen frei von optischen Aufhellern sein, da sie die Qualität des Lichts beeinträchtigen
So gewappnet dürfte einer erfolgreichen Aktfoto-Session nichts mehr im Wege stehen.
Mit einigen Interessierten zusammen ein Modell für zwei Stunden zu buchen ist übrigens weit billiger und effizienter, als sich in der Fußgängerzone stundenlang Abfuhren zu holen.
Wenn sie es trotzdem versuchen wollen, dann nehmen sie aber unbedingt eine Arbeitsmappe mit erstklassigen Belegfotos mit!
Available Light
Die Fotografie mit nur wenig vorhandenem Licht und somit ohne den unterstützenden Einsatz eines Blitzgeräts, verlangt vor allem nach zwei Komponenten:
- ein Objektiv, das auch bei voller Öffnung eine gute Leistung bringt
- ein solides Stativ
Bei dieser Art von Fotografie kommen bevorzugt hochgeöffnete, asphärische Objektive aus dem Standard- oder Weitwinkelbereich zum Einsatz.
Nur sie erlauben eine kurze Verschlusszeit und garantieren eine
tadellose optische Leistung auch bei offener Blende.
Ein weiteres Problem sind nicht ausfilterbare Farbstiche.
In der analogen Fotografie werden sie entweder bewusst zur Erzeugung von
Stimmung eingesetzt (blaue Stunde) oder müssen bereits bei der Aufnahme
mittels Konversionsfilter korrigiert werden.
In der Digitalfotografie gibt es die Möglichkeit den Weißabgleich manuell einzustellen.
Außerdem gleicht die Firmware der Kamera bereits bei der Aufnahme verschiedene Farbtemperaturen im Motiv in einem gewissen
Umfang an.
Blitzfotografie
Wie bereits in der Theorie besprochen, emittiert eine Gasentladungsröhre immer ein diskontinuierliches Lichtspektrum.
Auch die besten Blitzanlagen erreichen deshalb nicht die gleichen Lichtanteile wie standardisiertes Tageslicht.
Deshalb weicht die Darstellung eines Motivs mit Blitz
auch immer etwas von einer Aufnahme mit reinem Tageslicht ab.
Das heißt jetzt nicht, dass Blitzaufnahmen schlechter sind, im Gegenteil.
Da Normlicht mit gleichen Rot-, Grün-, und Blau-Anteilen in der Natur fast nie existiert, bietet das Blitzgerät wesentlich mehr Kontinuität und damit Reproduzierbarkeit.
Für Fotografen bedeutsam ist, dass die Farbtemperatur des Blitzes zum Ende der Entladung immer wärmer wird.
Gerade bei Kompaktblitzgeräten wird im Kurzzeitbereich maximal das erste Drittel des Lichtstroms ausgenutzt, sodass es zu einer Farbverschiebung in den kühleren Bereich kommt.
Gute Geräte haben deshalb eine CTC, also eine Farbtemperatursteuerung, die diesem unerwünschten Effekt entgegenwirkt.
Wie generell in der Fotografie, haben Zigaretten bei Indoor-Locations nichts verloren. Wer diese Regel außer Acht lässt, wird mit blaugrau verschleierten Aufnahmen gestraft.
Für Kompaktblitzgeräte gibt es auch Diffusoren, um eine weichere Ausleuchtung zu erzielen.
Sinn macht dies allerdings nur bei leistungsstarken Geräten, weil gestreutes
Licht die Leitzahl um ein bis drei Blendenstufen absinken lässt.
Studioblitzanlagen haben zusätzlich ein proportional zum Blitz regelbares Einstelllicht.
Damit beurteilt der Fotograf schon vor der Aufnahme Schattenwurf und Ausleuchtung.
Weil es sich bei diesem Licht
um eine sehr heiß werdende Halogenlampe handelt, ist ihr und der Blitzröhre zur Sicherheit ein Schutzglas vorgesetzt.
Halogenlampen pflegen manchmal mit einem lauten Knall zu bersten, da ist ein Schutz vor tieffliegenden, heißen Glassplittern absolut angebracht.
Diese Blitzanlagen für den Inneneinsatz sind nach einem Modulsystem aufgebaut:
Generator, Blitzeinheit und Vorsätze sind getrennt und damit variierbar einsetzbar.
Und noch etwas:
Auch im kleinsten Blitzgerät befindet sich ein Kondensator.
Das bedeutet, dass noch lange nach der letzten Aufnahme so viel Strom gespeichert sein kann, dass er einem neugierigen Laien lebensgefährlich werden kann.
Unterlassen sie deshalb bitte unbedingt jegliche Eingriffe!
Aus genau dem gleichen Grund sind nasser Boden, Regen und wackelige oder ausgebrochene Stecker ein absolutes "don't" - Sie arbeiten mit Hochspannung!
Für spezielle Einsatzzwecke gibt es Spezialgeräte, wie Ringblitze und jede Menge unterschiedlicher Reflektoren zur gezielten Beeinflussung der Lichtführung.
Eine sinnvolle Erstausrüstung wäre beispielsweise:
ein oder mehrere Universalleuchtenköpfen mit Normalreflektor, Weichstrahler, Vier-Klappen-Blende, Reflexschirm und Softbox.
In Verbindung mit einem luftgefederten Leuchtenstativ ist man damit für fast alle fotografischen Aufgaben gerüstet.
Beim Experimentieren mit der Lichtführung sind heute Dank Digitalkamera auch kostenmäßig keine Grenzen mehr gesetzt...
Feiern und Hochzeiten
Dem Anlass entsprechend sollte man vor allem der Singularität des Ereignisses Respekt zollen:
Die Zweitkamera ist kein Luxus, sondern Selbstverständnis!
Niemand verzeiht ihnen, wenn er von seiner Hochzeit keine Fotos hat.
Ebenso sinnvoll ist es, durch eine Besichtigung des Ortes etwaig auftretende Probleme im Vorfeld auszuräumen.
Blitzreichweite, Umgebungslicht und Lichtstärke des Objektivs müssen unbedingt geeignet sein, die gestellte Aufgabe zu erfüllen.
Gerade in Kirchen ist die angegebene Leitzahl des Blitzes oft unzuverlässig. Durch die fehlende Reflexion in großen Räumen ergibt sich eine deutliche Reduktion der Grenzreichweite.
Und nicht immer ist es möglich näher heran zu gehen.
Hier kommt die flexible Änderung der ISO-Einstellung digitaler Kameras sehr gelegen.
Last, but not least machen sich auch alle Arten von Rauch recht störend im Bild bemerkbar.
Deshalb sollten sie bei der nachfolgenden Feier im Lokal unbedingt die wichtigsten Fotos zu Beginn machen, noch bevor jeder Zweite zum Glimmstängel greift.
Makro
Objektive sind für Entfernungen von Unendlich bis zu einem Abbildungsmaßstab von 1:20 konstruiert.
Dadurch ergibt sich im Nahbereich aber ein deutlicher Abfall der optischen Leistung.
Um dies zu verhindern, werden für diese Objektive annähernd symmetrische optische Konstruktionen eingesetzt, die auf dem historischen Gauss-Typ basieren.
Diese weisen eine erstklassige Bildfeldebnung auf und sind chromatisch gut korrigiert.
Außerdem werden sie aufgrund ihrer weitgehenden Verzeichnungsfreiheit auch bevorzugt für Reproduktion eingesetzt.
Für nur gelegentliche Vorstöße in den Nahbereich, sind alternativ kostengünstige Zwischenringe und Nahlinsen erhältlich, letztere auch als teure Achromaten.
Trotzdem kommen die Ergebnisse nicht an ein echtes Makroobjektiv heran.
Wenn noch größere Abbildungsmaßstäbe erreicht werden sollen, stehen Umkehrring und Balgengerät zur Auswahl.
Bei ersterem wird das Objektiv verkehrt ans Bajonett adaptiert, was zwar die optische Leistung eklatant verbessert, aber ein Fotografieren bei Arbeitsblende erzwingt. Da wird es im Sucher schnell recht dunkel...
Mit dem Balgengerät, im Optimalfall mit verstell- und verschwenkbarer Objektivstandarte, lassen sich extreme Nahaufnahmen am besten realisieren.
Zum Problem wird dann nur die Ausleuchtung.
Deshalb kommt ein Makrofotograf auch um den Ringblitz nicht herum.
Interessante Akzente lassen sich mit ihm dadurch setzen, indem man das an sich sehr weiche und flache
Licht durch unterschiedliche Leistungsaufteilung zwischen den beiden halbkreisförmigen Blitzröhren variiert.
Weiteres sinnvolles Aufnahmezubehör:
- Aufnahmetisch
idR aus weißem, opakem Acryl
- Lichtzelt
zur diffusen Ausleuchtung
- Faltreflektoren
durchscheinend oder reflektierend
Bei Außenaufnahmen bewähren sich letztere auch als ausgezeichneter Windschutz.
Ebenfalls sehr beliebt im Profibereich sind Kaltlichtleuchten:
Sie verfügen gewöhnlich über drei flexible "Schwanenhälse" mit
Glasfaserkabeln und an der Spitze adaptierten Optiken.
Eine teure, aber bei kleinen und statischen Objekten sehr komfortable Art der Lichtführung.
Nachtaufnahmen
Wenn auch das lichtstärkste Objektiv nicht ausreichend ist, um eine verwacklungsfreie Aufnahme zu belichten, hilft nur mehr ein Stativ.
Die alte Grundregel besagt ja, dass ein guter Fotograf mindestens 1/f (= 1 durch die Brennweite) "halten" kann.
Für lange Belichtungen am Rande des Lichts muss aber zusätzlich der Schwarzschildeffekt berücksichtigt werden.
Dieser bedingt, dass die Abnahme der Empfindlichkeit durch eine überproportionale Steigerung der Belichtungszeit kompensiert werden muss.
Trotzdem sind Farbverschiebungen immer und störendes Bildrauschen
zusätzlich bei Digitalkameras unvermeidbar.
Als Objektiv sind erstklassig vergütete Asphären vorzuziehen.
Diese erbringen bei offener Blende eine gute, und minimal abgeblendet
eine exzellente Leistung.
Die Anfälligkeit für sich abzeichnende Reflexe und Streulicht ist ein weiterer nicht zu unterschätzender Faktor, der für jedes Objektiv separat ausgetestet werden muss.
Feuerwerke sollten sie übrigens immer mit mäßig abgeblendetem Objektiv zu Beginn der Veranstaltung und
einigen Langzeitbelichtungen aufnehmen.
Bewährt haben sich etwa 20 bis 30 Sekunden.
Sie erreichen dadurch, dass sich mehrere
Leuchtkörper abzeichnen und nicht der Rauch das Bild verschleiert und ruiniert.
Reisen
Ungeachtet ihrer Qualitätsansprüche, schlägt hier die Stunde eines Zoomobjektivs mit großem Brennweitenbereich.
Und egal, ob sie sich für die Kompaktkamera oder die Spiegelreflex entscheiden - Komfort bleibt Trumpf!
Ein Blitz ist immer sinnvoll, alles andere aber oft nur unnötiger Ballast.
Beachten sollte man noch unbedingt, dass nicht überall erkennbar ist, was nicht fotografiert werden darf.
Im Zweifelsfall verzichtet man auf Fotos von Flughäfen, Sendemasten, militärischen Objekten und unwilligen Einheimischen, sowie Innenaufnahmen von Kirchen und Tempeln.
Tiere
Nicht alles was nett aussieht, will auch fotografiert werden !
Die Berberaffen am Felsen von Gibraltar sind genauso drollig wie regelmäßig bissig, wenn sie ihnen zu viel unbritische Distanzlosigkeit entgegenbringen.
Weiters sind Muttertiere jeglicher Species in Gegenwart ihres Nachwuchses zusätzlich sensibilisiert.
Was also beim brütenden
heimischen Vogel ohne Konsequenz bleibt, wird bei der Safari schnell lebensbedrohlich.
Ebenfalls sehr affektiert reagieren mache Tiere auf Auslösegeräusche und Blitzlicht.
Das sollte man unbedingt vor der Auslösung bedenken!
Im Fachhandel sind sogenannte "Blimp Boxen" zur Schalldämpfung erhältlich.
Tabu ist natürlich das Angreifen von Jungtieren in der freien Natur.
Durch den veränderten Geruch wird es in Folge von den Alttieren als artfremd verstoßen.
Eine Frage, die auch immer wieder auftaucht:
Woran erkennt man, ob eine Tieraufnahme in freier Wildbahn oder in einem Gehege gemacht wurde?
Ganz einfach: Die Tiere in Gefangenschaft sind gewöhnlich eher zu gut ernährt und
haben durch die eingeschränkte Bewegungsfreiheit deutlich mehr Speck "auf den
Rippen".
UV und IR
Beide Wellenlängen sind außerhalb des für uns sichtbaren Spektrums anzutreffen.
Das bedeutet, dass am Objektiv eine manuelle Fokuskorrektur durchgeführt werden muss.
Zu diesem Zweck befindet sich auf einigen Objektiven
auch ein Infrarotindex:
Zuerst wird fokussiert und dann um den entsprechenden Wert verschoben.
Bei richtiger Anwendung entsteht nun ein scharfes Bild auf dem Aufnahmemedium.
Film ist ja nicht nur für sichtbares Licht, sondern auch für UV und Nah-Infrarot empfindlich.
Setzt man ihm einen Spezialfilter vor, der alles sichtbare Licht aussperrt, wird nur mehr das für das menschliche Auge unsichtbare UV oder IR abgebildet.
Durch die fast vollständige Eliminierung des sichtbaren Lichtes, wird aber auch eine
schwer zu kalkulierende Belichtungsverlängerung notwendig.
Bedeutung hat die UV-Fotografie heute in der Medizin, der Mineralogie, der Kriminologie und der Materialprüfung.
Infrarotaufnahmen wiederum dienen der Überwachung mit Dunkelblitz, der militärischen Enttarnung und helfen bei Luftaufnahmen Umweltschäden zu erkennen.
Bis zur Aufnahme
muss das Filmmaterial jedoch gekühlt gelagert werden und die Entwicklung ist nur umständlich in Speziallabors möglich.
In der Vergangenheit haben einige Mutige an ihren digitalen Kameras den IR-Sperrfilter entfernt und danach einen entsprechenden Kantenfilter vor das Objektiv gesetzt.
Die Ergebnisse waren durchaus brauchbar.
Da die Kamera aber durch einen solchen Eingriff
für andere Zwecke nicht mehr einsatzfähig ist, sollte man
sich vorher über die technische Machbarkeit informieren.
Gut Licht!